Auch queeres Blut rettet Leben!

Wer nicht schon selbst in der Situation war, kennt es aber vielleicht aus dem eigenen Umfeld. Ein Mensch leidet unter Blutmangel und ist auf eine Blutkonserve angewiesen. Das Problem: Blut kann bis heute nicht künstlich hergestellt werden. Die Medizin ist daher auf freiwillige Spenden angewiesen. Aus diesem Grund entschließen sich viele Menschen zu einer Spende. Jedoch nicht genug. Alle paar Monate kann man in den Nachrichten lesen, dass die Blutkonserven knapp werden und sogar Operationen verschoben werden mussten.

Pro Tag werden in Deutschland etwa 14.000 Blutspenden benötigt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Doch seit einigen Jahren ist die Zahl der Spender:innen rückläufig. Studien belegen, dass im Jahr 2011 von insgesamt 1.000 Einwohner:innen immerhin 95 Spenden registriert waren. Im Jahr 2018 waren es nur noch 78. Das ist ein Rückgang von 17,9 Prozent. Dabei wären wir alle froh in einer kritischen Phase, wenn Blutkonserven für uns zur Verfügung stehen würden.

Daher ein Appell an uns alle: Geht Blut spenden!

Jedoch werden immer noch viele Menschen ungerechtfertigt von der Blutspende ausgeschlossen. Viele Jahre waren Homosexuelle grundsätzlich von der Blutspende ausgeschlossen bis der europäische Gerichtshof 2015 das aufgehoben hat.

Im Jahr 2017 hat daraufhin die Bundesärztekammer neue Richtlinien vorgelegt. Demnach dürfen schwule und bisexuelle Männer Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Diese Regelung schließt weiterhin die allermeisten schwulen und bisexuellen Männer von der Blutspende aus. Wer verzichtet ein Jahr lang auf Sex, um Blut spenden zu dürfen?

Die neue Richtlinie bleibt diskriminierend. Männer, die Sex mit Männern haben, sind zwar so gesehen tatsächlich häufiger von HIV betroffen als andere, das jedoch keinen pauschalen Ausschluss rechtfertigt.

Die Neuregelung von 2017 stellt lediglich eine kosmetische Veränderung dar, die über die diskriminierende Regel nicht hinwegtäuschen kann. Die Frist von einem Jahr ist willkürlich gewählt. Andere Länder haben bereits kürzere Fristen. Zuletzt haben die USA eine Drei-Monats-Regel eingeführt, wie sie zum Beispiel in England und Schottland schon länger besteht. Eine Frist aber von einem Jahr schließt hingegen die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin von der Blutspende aus. Zudem kann man eine HIV-Infektion heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen. Viele Homosexuelle würden gerne Blut spenden, welches auch dringend benötigt wird.

Ein Blogbeitrag von David Cuervo Müller. David ist stellvertretender Vorsitzender der Jusos Rheinland und Vorsitzender der Jusos im Eifelkreis Bitburg-Prüm.