Bildung in Zeiten von Corona

Ein Abschluss mit Hindernissen – Ein Rückblick

Heute findet für viele Rheinland-Pfälzer:innen der letzte Schultag statt. Dieser beendet ein Schuljahr im Ausnahmezustand. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass der Unterricht mehrere Monate hauptsächlich daheim stattfinden würde, die Maske zur Schuluniform gehören wird und der eventuell gewonnene Abschluss nicht in einer großen Abschlussfete gefeiert werden kann. Ich denke, da kann ich mit Gelassenheit behaupten, dass es niemand so wirklich in diesem Ausmaß hat kommen sehen.

Dementsprechend auch nicht die Verantwortlichen in unserem Bildungssystem, die sich binnen kürzester Zeit überlegen mussten, wie der Unterricht angesichts der hohen Ansteckungsrate weitergeführt werden könnte. Die Schüler:innen blieben somit zunächst Zuhause und die Eltern mussten notgedrungen als direkte Ansprechpartner:innen für Fragen bei Hausaufgaben in jeglichen Fächern herhalten. Eine unglaubliche Mehrbelastung, die so manch ein Elternteil oder insbesondere Alleinerziehende sicher an deren oberste Belastungsgrenze gebracht hat.

Dazu kam die Ungewissheit, die Angst vor einer Ansteckung in der Familie oder der allgemeine Frust und die Verzweiflung in der Bevölkerung. Einflussgrößen, die bestimmt nicht an den Schüler:innen spurlos vorbeigegangen sind. All diese Faktoren waren ein enormes Hindernis für die Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit während der ohnehin schon belastenden Zeit vor anstehenden Prüfungen.  Umso mehr reagierte ich damals mit Unverständnis auf die Forderungen aus den Reihen der CDU Rheinland-Pfalz, diese mühevoll improvisiert geleistete Arbeit im Homeschooling vom Lehrer benoten lassen zu wollen.

Ich fand es richtig und wichtig, dass unsere Bildungsministerin einen kühlen Kopf bewahren konnte und von einer Benotung dieser im Homeschooling erarbeiteten Aufgaben absah. Ein wichtiger Schritt um Schüler:innen und Eltern zu entlasten.

Die neue Normalität wurde dann zu Unterrichtungen in Videokonferenzen. Die besonders eine infrastrukturelle Ungerechtigkeit in Deutschland aufdeckten: Den Mangel an schnellem und flächendeckendem Internet. Ich scherze nicht, wenn ich Menschen aus meinem Umkreis kenne, die frühmorgens für eine bessere Netzwerkqualität in andere Ortschaften gefahren sind, nur damit diese sich überhaupt in den Unterricht einwählen konnten.

Die Krise zeigt somit nochmals plakativ, wie wichtig der Netzausbau und die damit verbundene Digitalisierung des Unterrichts ist. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass hier vor Ort noch weitere große Schritte gegangen werden, solange die SPD das Land regiert.

Neben schwierigen Voraussetzungen für den Unterricht, zeichnete sich jedoch auch noch ein anderes Bild ab: Das der Rücksichtnahme, das des Zusammenhalts. Denn der Schulstart nach der „Corona-Zwangspause“ lief nahezu reibungslos ab. Die Infektionszahlen stiegen kaum an, was zeigte, dass nicht nur die von der Landesregierung gewählten Infektionsschutzmaßnahmen gut waren, sie wurden auch von vielen Schüler:innen und Lehrer:innen verantwortungsbewusst umgesetzt. Ein Zeugnis gelebter Solidarität, denn jeder versuchte durch die Einhaltung der Regeln andere und deren Angehörige zu schützen. Dieser Jahrgang an Schüler:innen ist somit nicht nur aufgrund der Corona-Krise etwas Besonderes und Einzigartiges. Er zeigt auch eindrucksvoll den Nörglern über die „Jugend von heute“, wie aufmerksam und verantwortungsbewusst diese Generation ist.

Deshalb möchte ich schlussendlich allen gratulieren, die es geschafft haben, trotz der schwierigen Umstände in einer Krise, die noch lange nicht überwunden ist, dieses Schuljahr erfolgreich abzuschließen. Die Erholung in den Sommerferien habt ihr euch alle (auch die Lehrkräfte und Eltern) redlich verdient.

Ein Blogbeitrag von Tom Wenzelmann. Tom ist stellvertretender Vorsitzender der Jusos Rheinland und Vorsitzender der Jusos Westerwald.