Happy Pride!

Heute jähren sich die Stonewall-Aufstände in der Christopher Street in New York zum 51. Mal. Damals wehrten sich LSBTIQ*-Menschen in der queeren* Bar „Stonewall Inn“ gegen repressive Polizeigewalt und staatliche Willkür. An dieses Ereignis erinnern wir, wenn wir den Christopher Street Day – oder auch einfach Pride – feiern. Wir nutzen diese besonderen Tage aber vor allem, um Forderungen an Politik und Gesellschaft zu formulieren. In den letzten Jahren hat die queere* Community durch ihren unermüdlichen Einsatz immer wieder neue Höhepunkte an Gleichberechtigung erreicht, beispielsweise die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und dem dazugehörigen Adoptionsrecht vor wenigen Jahren.

Allerdings liegen noch weitere Meilensteine vor uns, denn von völliger Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt. Als Beispiel sei die Situation von transidenten Menschen genannt, die hierzulande noch immer problematisch ist. Um das Geschlecht wechseln zu dürfen, müssen betroffene Personen erst zwei unabhängige Gutachten anfertigen und sich schließlich von einem Gericht die Umwandlung genehmigen lassen. Da das nicht nur mit einem erhöhten finanziellen Aufwand, sondern auch mit zusätzlicher psychischer Belastung verbunden ist, gehört das Transsexuellengesetz als solches abgeschafft. Stattdessen müssen die Menschen selbstbestimmt ihre wahre Identität leben dürfen! Und auch neben diesem Beispiel häufen sich in letzter Zeit wieder Fälle, in denen queere* Menschen Opfer von Gewalt oder Hassbotschaften wurden. Strukturelle Diskriminierung findet nicht irgendwo statt, sondern auch bei uns vor Ort, wenn auf Schulhöfen „schwul“ noch immer als Schimpfwort benutzt wird und die Suizidrate von queeren* Jugendlichen um ein Vielfaches höher ist als bei anderen jungen Menschen. Um dem  entgegen zu wirken, müssen wir die Aufklärungsarbeit in den Schulen verbessern. Gerade das „SCHLAU-Projekt“ (schwul-lesbische Aufklärung) ist da ein Vorreiter. Aufklärung schafft Sichtbarkeit und Sichtbarkeit schafft Akzeptanz.

Aber nicht nur in Deutschland haben wir mit struktureller Diskriminierung zu kämpfen. Ein Blick über unsere Grenzen hinweg zeigt uns, dass die Lage queerer* Menschen international dramatisch ist – sogar in europäischen Regionen. Während sich die populistische Regierung in Polen mit „LGBT-freien Zonen“ zu profilieren versucht und Menschen, die von der heterosexuellen und cis-geschlechtlichen Norm abweichen der gesellschaftlichen Ächtung preisgeben, hat die ungarische Regierung in einer neuen Verfassung das binäre Geschlechtssystem Mann und Frau festgeschrieben. In vielen weiteren Ländern außerhalb von Europa droht queeren* Menschen neben Stigmatisierung und Verfolgung sogar die Todesstrafe. Ein nicht hinnehmbarer Zustand! Deshalb muss Deutschland während seiner EU-Ratspräsidentschaft alles dafür tun, die Diskriminierung queerer* Menschen in Europa zu sanktionieren und weltweit seinen Einfluss geltend machen, um zivilgesellschaftliche Initiativen zu unterstützen!

Deshalb: Nutzen wir diese Tage nicht nur, um das Erreichte und die bunte Vielfalt unserer Gesellschaft zu feiern, sondern auch um den Finger in die Wunde zu legen. Um diskriminierende Strukturen zu erkennen, sie anzuprangern und schließlich aufzubrechen. Solidarisieren wir uns mit allen queeren* Menschen weltweit und geben ihnen ein Zeichen, dass sie nicht allein sind! Alle Menschen müssen das Recht haben, zu leben wie sie wollen und zu lieben wen sie wollen. Immer und überall.

Happy Pride!

Ein Blogbeitrag von Kevin Mangrich. Kevin ist stellvertretender Vorsitzender der Jusos Rheinland-Pfalz.